Unsere Geschichte

Vom Gemüsegarten nach Australien: Unsere Auswanderung als Familie

8. Mai 202618 Min. Lesezeit · Zuletzt aktualisiert: 05.08.2026

Christian, Lucy, Joris und Linnea bei der eigenen Hochzeit in der die farm in Essen, Oktober 2025, zwei Monate vor der Schließung des Restaurants und ein halbes Jahr vor dem Abflug nach Australien

Key Takeaways

  • Wir sind im Sommer 2026 als vierköpfige Familie nach Australien ausgewandert. Ich bin am 23. Juni vorgeflogen, Lucy und die Kinder sind am 28. Juli 2026 in Brisbane gelandet.
  • Restaurant die farm in Essen, Pachtvertrag 1. Februar 2019 bis 31. Dezember 2025. Die Entscheidung auszuwandern fiel Anfang September 2025, als unser zweites Feld geräumt werden musste.
  • Visum-Weg: eVisitor 651 (kostenlos) → Sponsor vor Ort gefunden → 186 Employer Nomination Scheme. Die Nomination meines Arbeitgebers ist gerade in Arbeit.
  • Stand heute: Wir wohnen im Hinterland bei Murwillumbah, die Wohnungssuche läuft, Joris' erster australischer Schultag ist der 3. Februar 2027.

Vor einer Woche stand ich morgens um acht in der Ankunftshalle des Flughafens Brisbane und habe auf eine Schiebetür gestarrt. Dahinter: Lucy mit einem Kofferwagen voller Seesäcke, Joris am Kinderwagen, Linnea darin, fest schlafend. Fünf Wochen hatten wir uns nicht gesehen. Bis zu diesem Moment war unsere Auswanderung ein Plan mit offenen Enden. Seitdem ist sie unser Leben.

Wer recherchiert, ob seine Familie nach Australien auswandern soll, findet im deutschen Netz vor allem polierte Reise-Reels und Migrationsagenturen, die selbst nie ausgewandert sind. Wir wollen das anders machen. Hier steht die ganze Geschichte: wie aus zwei Jahren Byron Bay vor fast zehn Jahren eine Familie wurde, wie aus einem Restaurant in Essen ein Gemüsegarten wurde, wie ein geräumtes Feld im September 2025 die Entscheidung ausgelöst hat, und wie es wirklich war, alles aufzugeben, getrennt zu fliegen und am anderen Ende der Welt wieder zusammenzukommen. Wenn du gerade selbst überlegst, ob dein Familien-Auswanderungsprojekt realistisch ist: Dieser Text ist eine Vergleichsfolie, keine Werbung.

Stand & Hinweis

Stand: 5. August 2026, eine gute Woche nach der Ankunft von Lucy und den Kindern. Wir aktualisieren diesen Artikel weiter quartalsweise, als Nächstes, wenn Visum, Wohnung und Schulstart konkret geworden sind.

Wir sind keine Migrationsberatung. Was hier steht, ist unsere Erfahrung. Behörden-Fakten verlinken wir; verbindliche Auskünfte gibt's nur direkt beim Department of Home Affairs oder einem registrierten Migration Agent.

Wer wir sind

Wir sind eine vierköpfige Familie aus Essen: Christian (37), Lucy (30), Joris (6) und Linnea (2). Seit dem 28. Juli 2026 leben wir zu viert in der Region Northern Rivers an der australischen Ostküste. Ich bin ausgebildeter Koch und habe bis Ende 2025 das Restaurant die farm in Essen geführt. Lucy hat in diesem Sommer, mitten im Umzug, ihre Masterthesis in Innenarchitektur abgeschlossen und bestanden. Diese Geschichte ist unsere, kein Migrationsrat, keine Hochglanz-Version, sondern das, was tatsächlich passiert ist und weiter passiert.

Joris startet Anfang Februar 2027 in Australien in die Schule und lernt schon spielerisch Englisch. Was er zur Auswanderung gesagt hat, als wir ihm erzählten, dass wir in drei Monaten fliegen? „Warum erst so spät?" Das ist sein O-Ton. Linnea war zu klein, um das Ausmaß zu verstehen, aber sie war von Anfang an mittendrin, und das ist gut so.

Zur Einordnung: selbst erlebt. Wir sind keine Migrationsberatung, wir teilen, was wir tun, nicht was du tun sollst.

Etappe 1 · Essen → Byron Bay → Essen2016–2018wo alles anfängt

Wie alles begann

Lucy und ich haben uns 2016 kennengelernt, wenige Monate bevor ich nach Australien ging. Im Januar 2017 bin ich nach Byron Bay geflogen, für meine Koch-Ausbildung. Lucy ist im Februar nachgekommen, für ein Auslandssemester, das sie kurzfristig organisiert hatte. Aus dem einen Semester wurden zwei. Diese eine spontane Bauchentscheidung ist der Ursprung von allem, was heute folgt: Ohne Lucys Zusage damals hätte es uns als Paar nicht gegeben, weder Joris noch Linnea, weder Wildgewachsen noch diesen Blog.

Nach Lucys Studienzeit sind wir gemeinsam für einen Heimaturlaub nach Deutschland geflogen. Lucy ist dann in Deutschland geblieben, weil sie weiterstudieren wollte. Ich bin alleine zurück nach Byron Bay, um meine Ausbildung fertig zu machen. Insgesamt habe ich fast zwei Jahre dort gelebt; Ende 2018 bin ich endgültig nach Deutschland zurück.

Was niemand auf der Rechnung hatte: Der Abschied von Familie, Freunden, und vor allem von Lucy am Ende des Heimaturlaubs war hart. Nicht „bisschen schwer". Hart. Das hat sich später in die Rückkehr-Entscheidung Ende 2018 hineingelegt. Wir kannten Australien als Lebensraum, wir kannten die Region, wir hatten dort einen Alltag aufgebaut. Aber am Ende war Deutschland näher: Familie, Sprache, eine Restaurant-Chance.

Wer hätte gedacht, dass ein spontanes Ja zu einem Auslandssemester die Linie wird, an der zehn Jahre später unser ganzes Leben hängt? Wir nicht.

Zur Einordnung: selbst erlebt. Abflug Januar 2017, Rückkehr Ende 2018.

Etappe 2 · Essen, Rutherhof2019–2025sieben Jahre die farm

Die Rückkehr und das Restaurant die farm

Ende 2018 sind wir nach Deutschland zurück. Pachtvertrag und Gewerbeanmeldung für das Restaurant die farm in Essen folgten am 1. Februar 2019, die ersten Renovierungsarbeiten haben wir schon im Dezember 2018 angefangen. Sieben Jahre später, am 31. Dezember 2025, haben wir das Restaurant geschlossen. Zwischen diesen beiden Eckdaten liegt die Geschichte, aus der unsere Familie, der Plan auszuwandern und die Idee zu diesem Blog entstanden sind.

Heimweh war der eine Faktor: nach Familie, nach einer Sprache, in der man auch über Steuerformulare sprechen kann. Der andere Faktor war konkret: Wir konnten in Essen ein Restaurant übernehmen. Eine einmalige Chance, die wir nicht verstreichen lassen wollten.

Das Restaurant liegt auf dem Rutherhof in Essen, einer Gesamtanlage mit Swinggolf und Fußballgolf. Wir haben nur das Restaurant geführt, nicht die ganze Anlage. Das Konzept war eine Ausflugsgaststätte mit Straußenfleisch als Besonderheit: Steak, Gulasch, Geschnetzeltes, Burger. 60 Sitzplätze innen, 60 außen. Durch das Spielangebot der Anlage war das Restaurant gleichzeitig Eventlocation: Geburtstage, Firmenfeiern, Hochzeiten. Eine dieser Hochzeiten war unsere eigene.

Im Oktober 2025 haben wir in unserem Restaurant geheiratet, zwei Monate vor der Schließung. Das Titelbild dieses Artikels stammt von diesem Tag: Christian, Lucy, Joris und Linnea, an dem Ort, an dem wir sieben Jahre gearbeitet haben. Kurz danach haben wir die Türen zugeschlossen.

In den letzten zwei Jahren ist daneben etwas gewachsen, das niemand am Anfang geplant hatte: ein eigener Gemüseanbau auf dem Restaurant-Gelände. Aus einem Stück Garten wurde ein richtiger Gemüseanbau, aus einem Hobby wurde eine Leidenschaft, aus der Leidenschaft wurde Wildgewachsen: unser YouTube-Kanal und jetzt auch dieser Blog. Wer uns folgt, kennt eher den Garten als das Restaurant. Das ist kein Zufall: Das Restaurant war der Beruf, der Garten war das, was wir auch ohne Bezahlung gemacht hätten.

Wir hatten ein gutes, über Jahre eingespieltes Team, und das ist in der Gastronomie nicht selbstverständlich. Aufgehört haben wir nicht, weil etwas kaputtgegangen wäre. Aufgehört haben wir, weil wir nach Australien wollten.

Zur Einordnung: selbst erlebt. Restaurant geschlossen am 31. Dezember 2025.

Etappe 3 · Das FeldSeptember 2025der Moment

Der Moment der Entscheidung

Die ehrliche Antwort auf „wann habt ihr euch entschieden": Anfang September 2025, und der Auslöser war ein Feld.

Australien war für uns über Jahre eine Art Hirngespinst. Eine gern erinnerte Lebensphase und der wiederkehrende Gedanke, das irgendwann mit den Kindern zu erleben, aber ohne ernsthafte Ambitionen. Jedes Mal, wenn die Idee aufkam, ist sie an derselben Stelle gescheitert: Familie und Freunde sind hier. Es war kein Traum, an dem wir gearbeitet haben. Es war eine „irgendwann"-Vorstellung, die nie ganz wegging.

Parallel lief im Hintergrund eine andere Frage, und die wurde in der zweiten Jahreshälfte 2025 immer drängender: Wie lange wollen wir noch so viel Familienzeit für das Restaurant opfern? Zu viel Arbeit, zu wenig Zeit mit den Kindern, vor allem in den Sommermonaten, in denen ich quasi nicht zu Hause war.

Anfang September 2025 kam der Push, der beides zusammenschob: Unser zweites Gemüsefeld, auf dem wir Anbau für uns als Familie und auch für das Restaurant betrieben haben, musste geräumt werden. Schon wieder. Wieder viel Arbeit, die nicht belohnt wurde, wieder ein Plan, der nicht aufgegangen ist. Genau an diesem Punkt sind die Restaurant-Zweifel und die alte Australien-Vorstellung ineinandergelaufen, und aus „irgendwann" wurde eine gemeinsame Entscheidung: jetzt oder nie. Die Entscheidung, das Restaurant aufzugeben, und die Entscheidung auszuwandern, fielen zusammen. Nicht nacheinander.

Diesen Moment gibt es als Video: „Unser Feld ist weg. Schon wieder." auf unserem YouTube-Kanal

Dass der Zeitpunkt objektiv passte, haben wir erst danach sortiert. Drei Dinge fielen gleichzeitig zusammen: Lucy stand vor dem Master-Abschluss. Joris war anderthalb Jahre von der Schule entfernt, also genau in dem Fenster, in dem ein Schulwechsel ins Ausland am einfachsten ist: Er kommt drüben in die Schule, statt eine deutsche Schule mittendrin zu wechseln. Linnea war so klein, dass sie sich an Deutschland nicht festhalten würde. Wenn nicht jetzt, dann erst wieder in zehn Jahren, und ich wäre dann 47, Joris 16. Mein Job, Lucys Abschluss, Joris' Schulstart: drei Umbrüche, ein Fenster.

Wir haben nicht logisch entschieden. Es gab keine Tabelle, in der „Pro Australien" gewonnen hat. Es gab viele Abendgespräche und an einem Punkt eine gemeinsame Klarheit: Wenn nicht jetzt, dann nie. Diese Klarheit ist seitdem nicht weggegangen, auch in den schwersten Wochen nicht.

Zur Einordnung: selbst erlebt. Eine Bauchentscheidung mit einem sehr konkreten Auslöser.

Warum Australien – und warum jetzt

Australien war für uns kein recherchierter Wunsch, wir kannten die Region. Zwei Jahre Byron Bay sind kein Backpacking-Trip, sondern gelebter Alltag mit Behörden, Wohnen, Wäsche. „Warum jetzt" hatte drei Schichten: die familiäre (Master, Einschulung, Linneas Alter), die berufliche (ich hatte genug vom Restaurant, Lucy eine konkrete Gegenrichtung mit ihrer Innenarchitektur in einer Region voller interessanter Bauprojekte) und die zeitliche (jeder weitere Jahrgang in Deutschland hätte den Schulwechsel für Joris härter gemacht).

Beim Wohnort waren wir von Anfang an realistisch: Byron Bay direkt, der teure Inner-Suburb-Wunsch, war mit zwei Kindern und ohne festen Job nicht garantiert. Mullumbimby stand als Favorit auf dem Papier, das Kriterium: 35 bis 40 Minuten zwischen Wohnort und Arbeitsplatz, nicht weiter. Stand heute wohnen wir tatsächlich genau in dieser Gegend, im Hinterland bei Murwillumbah, und suchen die erste feste Wohnung in genau diesem Radius. Wir haben uns nie auf einen einzelnen Ort festgelegt, sondern auf diese Region.

Was wir in Australien gesucht haben: mehr Familienzeit ohne Schicht-Kultur. Klima, das man als Geschenk und nicht als Last empfindet. Eine Arbeitskultur, in der Kochberuf nicht heißt, dass ich im Sommer mein eigenes Kind drei Wochenenden am Stück nicht sehe.

Zur Einordnung: die Region kennen wir aus zwei Jahren Byron Bay. Der Erstwohnort war eine Schätzung, inzwischen von der Realität eingeholt.

Etappe 4 · Alles auflösenOkt 2025 – Juni 2026Listen, Kisten, Papierkram

Wie wir uns vorbereitet haben

Zwischen der Entscheidung im September 2025 und meinem Abflug lagen knapp zehn Monate. Bis Anfang Mai 2026 hatten wir die meisten Vor-Bürokratie-Schritte abgehakt: Visum-Strategie (186 Employer Nomination Scheme), PTE Academic bestanden, Skill Assessment als Koch abgeschlossen, Migration Agent beauftragt. Danach kamen die Visa für die Einreise, und dann ging alles schneller, als sich der Berg vorher angefühlt hat.

Die komplette Abhak-Liste im Detail
  • Visum-Strategie: Ziel ist das Visum 186 (Employer Nomination Scheme). Das verlangt einen Sponsor-Arbeitgeber in Australien; den haben wir, wie geplant, vor Ort gefunden.
  • PTE Academic: Abgelegt am 11. März 2026 in Hamburg bei Pearson PTE, Kosten 270 €. Overall Score 89, eingestuft als Proficient (+10 EOI-Punkte). Reicht klar für 186 Direct Entry. Reading 66 und Writing 75 lagen unter der Superior-Schwelle (70/85); falls wir +20 EOI-Punkte als Sicherheitsnetz brauchen, ziehen wir den Re-Test in Australien nach.
  • Skill Assessment als Koch: Über die Trades Recognition Australia (TRA) abgeschlossen. Aufwendig und teuer, vor allem die Dokumentation als Selbstständiger. Der Posten, der uns am meisten Nerven gekostet hat.
  • Migration Agent: Wir arbeiten mit Johannes Kunz von JK Migrate, der häufigsten Empfehlung in der Facebook-Gruppe „Auswandern nach Australien". Wir hatten vorher wenig selbst recherchiert und waren nah dran, das Projekt wegen der Visa-Komplexität ganz zu lassen. Das kostenpflichtige Erstgespräch hat uns die Angst genommen: Er hat die Visa-Wege erklärt, die wir nicht kannten, und uns eine konkrete Schritt-Liste mitgegeben. Rückblickend eine sehr gute Entscheidung.
  • Restaurant geschlossen am 31. Dezember 2025.
  • Wohnung gekündigt, Auszug Ende Juli 2026, Nachmieter gefunden, übernehmen die Küche.
  • eVisitor 651: Am 28. Mai 2026 für alle vier ausgestellt, kostenlos, komplett online über meinen alten ImmiAccount aus der Ausbildungszeit. Alle vier Bestätigungen kamen innerhalb von Sekunden per Mail. Das eVisitor gilt 12 Monate, pro Einreise maximal 3 Monate Aufenthalt.
  • Flüge gebucht: Christian 23. Juni 2026 (China Southern über Guangzhou, 467 €), Lucy + Kinder 26. Juli 2026 (Emirates über Dubai).

Ein Update gehört hierher, weil es Geld kostet: Als wir diesen Artikel im Mai geschrieben haben, lagen die 186-Antragsgebühren für uns vier bei rund 9.825 AUD. Zum 1. Juli 2026 wurden sie erhöht: rund 12.280 AUD für zwei Erwachsene und zwei Kinder (Hauptantrag 6.140 AUD). Wer den Antrag vor dem Stichtag stellen konnte, zahlte die alte Gebühr; unserer war da noch nicht so weit. So ehrlich muss man rechnen: Zwischen Planung und Antrag können die Gebühren steigen.

Die Wohnungsauflösung war der zähere Teil: Kleiderschränke, Kindersachen, Möbel. Was nicht ins Flugzeug passte, ging in unser Kistensystem: nummerierte Kartons, exakt dokumentiert, Lagerung bei Lucys Vater, Versand auf Abruf nach Australien. Die Kalkulation: rund 110 € pro 10-kg-Karton, rund 170 € pro 20-kg-Karton (Angebote, die wir vorliegen hatten, Endpreis variiert). Container-Service kam für unsere Menge nicht in Frage; zu teuer.

Wenn dich die kompletten Kosten interessieren, was bezahlt, was geschätzt, was geplant war: alles aufgeschlüsselt in unserem Kosten-Artikel Auswandern nach Australien als Familie: Was es wirklich kostet. Den ausführlichen Visum-186-Weg als Familie haben wir hier beschrieben: Visum 186 Australien: Unser Familien-Weg zum Employer Sponsored Visa. Und das Skill Assessment als selbstständiger Koch mit allen Stolperfallen steht hier: TRA Skill Assessment als Koch.

Zur Einordnung: alle Schritte selbst durchlaufen. Visum-Gebühren und Bedingungen ändern sich laufend, verbindliche Auskünfte direkt beim Department of Home Affairs.

Was es bedeutet, alles aufzugeben

Der Mai 2026 war nicht entspannt. Wir waren beide gestresst, viele Baustellen gleichzeitig, alle ungefähr gleich schwer. Lucy schrieb vollzeit an ihrer Masterthesis, mit einer selbstgesetzten Deadline: 23. Juni, mein Abflug. Offiziell wäre Mitte Juli die Abgabe gewesen, aber realistisch war das nicht: Sobald ich weg war, war Lucy alleine mit zwei Kindern und der Restwohnung. Ihre Professorin hat das Tempo mitgetragen, eng war es trotzdem.

Ich habe tagsüber zwischen Kinderbetreuung, die oft ausfiel, und Renovierungsarbeiten in der Wohnung recherchiert; abends Blog geschrieben, Videos geschnitten, mich durch Housesitting-Portale und Facebook-Gruppen gearbeitet. Und irgendwann setzte die Realisierung ein, dass in Australien sehr viel auf einmal an mir hängen würde: ohne Job kein Sponsor, ohne Sponsor kein Visum, ohne Visum keine Familie nachholen. Diese Kette war das, was nachts wachgehalten hat.

Beim Aussortieren hatten wir eine klare Aufteilung: Ich hätte radikaler getrennt, weniger gelagert. Lucy hat die Kindersachen über Jahre liebevoll auf Flohmärkten besorgt; jedes Stück eine bewusste Wahl. Bei Kindersachen habe ich meine Meinung gesagt und Lucy die Entscheidung überlassen. Das war fair, weil sie die Sachen damals ausgewählt hat und weiß, was sie für die Kinder als Erinnerung behalten will.

Es gab in diesen Wochen einen Moment, der mir hängen geblieben ist: beim Fahrradfahren mit den Kindern, als mir klar wurde, dass die Räder zurückbleiben. Lastenrad und E-Bikes lassen sich mit ihren Akkus praktisch nicht verschicken. Wir sind fast täglich Rad gefahren. Solche kleinen Verluste haben der Abreise mehr Gewicht gegeben als jeder große Papierkram.

Wir haben in dieser Phase mehr über das Vorhaben und die Planung geredet als über uns. Wir wussten das, und wir haben es ausgehalten, weil es eine Grundlinie mit Enddatum war. Es war anstrengend, manchmal traurig, manchmal einfach laut.

Drei Tage vor meinem Abflug kam dann ein Abend, den wir so nicht geplant hatten: die Hochzeit eines meiner engsten Freunde. Es wurde, ganz nebenbei, der Abschied von meinem Freundeskreis und unsere letzte gemeinsame Feier als Familie in Deutschland. Alle vier nochmal rausgeputzt, warmes Abendlicht, und im Kopf schon die Koffer.

Zur Einordnung: selbst erlebt, die anstrengendste Phase des ganzen Projekts.

Etappe 5 · Essen → Guangzhou → Brisbane23. Juni 2026einer fliegt vor

Der Abschied und der Flug

Verabschiedet haben wir uns am 23. Juni am Essener Hauptbahnhof, an einem Dienstagmorgen, bevor Lucy die Kinder zu Kindergarten und Tagesmutter brachte. Wir hatten das vorher bewusst so abgesprochen: so normal und unaufgeregt wie möglich, damit die Kinder es gut verkraften. „Wir sehen uns ja in fünf Wochen." Fotos gemacht, lange Umarmung, fertig. Es hat funktioniert. Für Lucy und mich war es trotzdem schwer, wir haben es uns nur nicht anmerken lassen.

Familien-Selfie am offenen Kofferraum am Abreisetag: Christian mit Hut, Lucy, Joris mit Cap und Linnea, alle lachen in die Kamera
23. Juni, kurz vor dem Abschied: ein letztes Foto zu viert für fünf Wochen.

Eine Sache würde ich heute anders machen, und sie gehört auf jeden Fall mit in diesen Artikel: Ich hätte mir für die Abschiede mehr Zeit nehmen sollen. Besonders der Abschied von meinen eigenen Eltern war im Stress der letzten Wochen viel zu kurz, und das hat mich in den ersten Tagen in Australien mehr eingeholt als alles andere. Wenn du vor demselben Schritt stehst: Plane die Abschiede wie einen Termin. Sie sind wichtiger als die letzte Kiste.

Der Flug selbst war der beste meiner bisher vier Australien-Flüge: China Southern über Guangzhou, mit Übernachtung im flugeigenen Hotel, sieben Stunden Schlaf, Dusche, großes Bett. In Guangzhou habe ich den Kindern noch eine Videobotschaft geschickt, bevor ihr Abend und mein zweiter Flug zusammenfielen:

Wenn ihr gleich ins Bett geht, bin ich dann im Flugzeug. Das heißt, wir können nicht telefonieren. Aber ich wollte euch trotzdem einmal gute Nacht sagen. Und Piep, Piep, Piep sagen. Wir können dann morgen telefonieren, wenn ich angekommen bin. Passt gut auf die Mama auf.
Videobotschaft an Joris und Linnea, Flughafen Guangzhou, 24. Juni 2026
Sitzmonitor im Flugzeug mit der Flugkarte Frankfurt to Guangzhou, Route über Osteuropa
Beweisstück · Sitzmonitor, Flug 1 von 2: Frankfurt → Guangzhou

Am 25. Juni um 8:30 Uhr Ortszeit bin ich in Brisbane gelandet, ungewöhnlich schnell durch die Einreise, um zehn saß ich im Mietwagen. „Der Koffer ist da, jetzt raus zum Mietwagen. Ich bin in Australien." Mehr habe ich in dem Moment nicht in die Kamera gebracht.

Anflug auf Brisbane, 25. Juni 2026, 8:30 Uhr.

Die zwei Stunden Fahrt nach Byron Bay habe ich dann fast durchgeweint. Es war eine hochemotionale Fahrt, das erste Mal seit Monaten Zeit zum Nachdenken: „Erst war es echt traurig, weil es doch viele Sachen gibt, die wir erstmal nicht mehr erleben werden, für sehr lange Zeit oder vielleicht auch für immer." Und dann, ab Höhe Byron, Tränen aus dem genauen Gegenteil: Das, worauf wir sechs Monate hingearbeitet hatten, wurde gerade wahr. Das erste, was ich am Strand gemacht habe: Boots aus.

Zur Einordnung: selbst erlebt. Die komplette erste Woche allein, mit allem Auf und Ab, steht in einem eigenen Artikel: Angekommen in Australien: meine ersten Tage allein.

Fünf Wochen allein in Byron Bay

Der Auftrag für die fünf Wochen war klar: Sponsor, Auto, Unterkunft. In dieser Reihenfolge stand es auf dem Papier, in Wirklichkeit lief alles gleichzeitig.

Unterkunft: Die ersten Nächte ein einfaches Zimmer über Facebook, 300 AUD pro Woche, wenig gepflegt, aber ein Dach. Ab dem 2. Juli dann der erste Housesit: drei Wochen ein wunderschönes Haus mit zwei Hunden, versteckt im Regenwald-Hinterland bei Mullumbimby. Danach ein Airbnb in Byron Bay als Brücke, bewusst gebucht, damit etwas Festes steht, wenn die Familie ankommt. Housesitting hat uns den Start gerettet; von Deutschland aus hatten wir monatelang nur Absagen kassiert, vor Ort drehte sich das.

Auto: In der zweiten Woche haben wir für 4.500 AUD einen alten Jeep Grand Cherokee gekauft, Budget-Deckel war 5.000. Wie der Gebrauchtwagen-Kauf in New South Wales genau läuft, mit Rego, Stamp Duty und allen Kosten, steht im eigenen Artikel: Auto kaufen in Australien.

Sponsor: Beim deutschen Stammtisch in Byron Bay, wenige Tage nach Ankunft, bekam ich den Satz, der sich als komplett richtig herausgestellt hat: rumgehen, offen sein, mit Leuten sprechen, in der Gastro wird immer gesucht. Genau so war es. Ich bin persönlich in Restaurants gegangen, habe mich vorgestellt und offen gesagt, wie mein Visa-Stand ist. Gefunden haben wir uns am Ende mit Threeways of the Valley, einem Café-Restaurant mitten im Regenwald-Hinterland von Byron Bay. Wir haben viele Abende zusammengesessen und über Pläne und Visionen gesprochen, und es hat auf beiden Seiten gepasst. Inzwischen arbeitet das Team dort an seinem Teil meines 186-Antrags: der Nomination. Sobald die durch ist, stelle ich mit Johannes' Hilfe meinen eigenen Antrag.

Und dazwischen: der Alltag einer Fernbeziehung mit Kindern. Joris und Linnea riefen morgens beim Aufwachen an, wir haben mit laufendem Handy zusammen gefrühstückt, abends rief Lucy nochmal allein an. In Deutschland hielt derweil eine Hitzewelle die Kinder bei Oma am Pool, während Lucy Thesis, Restwohnung und Alleinerziehen gleichzeitig stemmte. Der Monat war für sie härter als für mich, das gehört hier genauso hin.

Zur Einordnung: selbst erlebt. Zum Sponsor-Prozess: verbindlich ist erst ein erteiltes Visum; wir beschreiben den Stand, keinen Erfolg, den es noch nicht gibt.

Etappe 6 · Brisbane, Ankunftshalle28. Juli 2026wieder zu viert

Die Familie landet

Am 28. Juli um kurz nach acht Uhr morgens öffnete sich die Schiebetür in Brisbane, 35 Tage nach dem Abschied am Essener Hauptbahnhof. Joris schob den Kinderwagen, darin Linnea, die den großen Moment schlicht verschlafen hat. Lucy dahinter mit einem Kofferwagen, auf dem sich olivgrüne Seesäcke stapelten: das ganze Leben von vier Menschen, in Gepäckstücke gepresst. Wir haben uns ganz doll in die Arme genommen. Was man in so einem Moment sagt, weiß ich nicht mehr; viel war es nicht.

Gepäckwagen voller olivgrüner Seesäcke in der Ankunftshalle des Flughafens Brisbane, daneben Joris im Profil
Drei Leben in Seesäcken, Flughafen Brisbane, 28. Juli, kurz nach acht.

Willkommen in Australien: Danach standen wir erstmal zwei Stunden im Stau. Die Kinder haben es besser weggesteckt als wir. In Byron Bay angekommen, im Airbnb kurz die Taschen abgestellt, und dann haben wir das einzig Richtige gemacht: Wir sind direkt an den Strand gegangen. Erster Familien-Nachmittag am Pazifik, Linnea hat Fundstücke aus dem Sand sortiert, Joris ist der auslaufenden Welle hinterhergerannt.

Am Abend danach ist das Foto entstanden, auf das wir sechs Monate hingearbeitet haben, ohne es zu wissen: unser erstes Familien-Selfie in Australien.

Zur Einordnung: selbst erlebt. Ankunft der Familie: 28. Juli 2026, ca. 8 Uhr Ortszeit, Brisbane.

Wo wir jetzt stehen

Stand 5. August 2026: Seit dem 31. Juli wohnen wir für vier Wochen in einem Housesit im Hinterland bei Murwillumbah. Ein großes, gepflegtes Grundstück, zwei unkomplizierte Hunde, Hühner, ein Kaminofen für die Winterabende. Die Kinder können einfach aus der Haustür raus und spielen. Für das Ankommen ist dieses Haus ein Glücksfall: vier Wochen ohne Umzug, vier Wochen Zeit, alles Weitere zu planen.

Alltag im Housesit: Wäsche abhängen vor Regenwald-Kulisse.

Während ich diesen Absatz schreibe, ist Lucy in der Küche, und die Kinder sind draußen mit ihren Walkie-Talkies unterwegs und berichten uns zwischendurch, was sie gerade machen. Es ist so schön zu sehen, dass sie sich frei bewegen und draußen zusammen spielen. Zu Hause hatten wir eine sehr schöne Wohnung, aber keinen Garten; ein Grundstück wie dieses ist in Deutschland die Ausnahme, hier ist es fast Standard, solange man nicht mitten in einer großen Stadt wohnt. Der Gemüsegarten, mit dem diese Geschichte angefangen hat, fehlt uns noch. Aber die Kinder wachsen gerade genau so auf, wie wir es uns von diesem Land versprochen haben.

Gestern waren wir in Murwillumbah, dem kleinen Ort in der Nähe. Überall Schulklassen draußen: Fahrradunterricht, Skate-Stunden, Basketball, Kinder in kurzen Hosen mitten im australischen Winter, alle in Bewegung. Genau das ist einer der Punkte, die wir hier so schön finden. Und die Vögel haben hier ihren eigenen Fan: Nach einem Spaziergang hat Joris sich hingesetzt und alle Vögel gemalt, die er gesehen hat, vom Kakadu bis zum Buschhuhn.

Buntstift-Zeichnung von Joris mit australischen Vögeln in Bäumen, einer orangen Sonne, einem Kakadu und einem Buschhuhn
Beweisstück · Joris' Vogel-Inventur der ersten Woche, Buntstift auf A4

Was noch offen ist, in aller Ehrlichkeit:

  • Visum: Die Nomination liegt bei meinem künftigen Arbeitgeber, das ist der Teil des Prozesses, den wir nicht selbst in der Hand haben. Danach folgt mein eigener 186-Antrag mit Johannes.
  • Wohnung: Die Suche läuft. Eine schöne Cabin in Mullumbimby haben wir uns angesehen und nicht bekommen. Eine Option in der Nähe meines künftigen Arbeitsplatzes ist in Aussicht, aber nichts ist fest. Ohne festen Job ist der Wohnungsmarkt hier hart, das war uns vorher klar und fühlt sich trotzdem anders an, wenn man drinsteckt.
  • Schule und Betreuung: Joris' erster Schultag ist der 3. Februar 2027, an welcher Schule, hängt am Wohnort. Linneas Betreuung ist noch offen. Bis dahin ist Lucy primär bei den Kindern und reaktiviert parallel ihre Architektur-Kontakte aus der Byron-Bay-Zeit.
  • Auto: Der Jeep braucht vor der nächsten Rego noch Reparaturen, geschätzt 1.000 bis 1.500 AUD. Gehen wir in den nächsten Wochen an.

Für Lucy war der Anfang der schwerere: Die ersten Tage waren zu viel auf einmal, gerade mit den Kindern, und das hat auf die Stimmung geschlagen. Verständlich. Entscheidungen für die Zukunft zu treffen ist schwer, wenn nichts von dem, was zu Hause selbstverständlich war, hier schon selbstverständlich ist. Der Anfang ist anstrengend, weil man nichts in seinen gewohnten Rhythmen machen kann. Und trotzdem merken wir in ganz vielen kleinen Momenten, wie das Leben hier sein könnte. Es ist schön zu sehen, dass Joris und Linnea sich so wohl fühlen und alles weniger schwer ist, als wir es vorher erwartet hätten. Die Kinder sind zufrieden, weil sie hier mit uns sind.

Zur Einordnung: selbst erlebt, Stand 5. August 2026. Zum aktuellen Alltag folgen eigene Artikel, sobald aus Momenten Erfahrungswerte geworden sind.

Würden wir es wieder tun?

Die Frage hinter allen Fragen, auch in jeder Such-Statistik zum Thema Auswandern: Bereut ihr es? Die Antwort nach einer Woche zu viert: Für ein Urteil ist es zu früh. Aber momentan haben wir ein sehr gutes Gefühl. Es fühlt sich richtig an.

Wir sagen dazu, was dieses Gefühl gerade trägt: Wir machen im Moment quasi Urlaub. Ich habe noch frei, Joris ist noch nicht in der Schule, wir unternehmen jeden Tag etwas. Der Alltag, der über „bereuen oder nicht" wirklich entscheidet, kommt erst noch. Aber ein Punkt ist jetzt schon kein Urlaubseffekt: Es ist Winter, und wir sind trotzdem jeden Tag draußen. Nachts wird es kalt, tagsüber ist es angenehm warm, sobald die Sonne rauskommt. Allein das ist für uns fast das Ganze wert, weil es genau der Lebensstil ist, für den wir hergekommen sind.

Die andere Seite bleibt: Die Entfernung zu unseren Familien ist schwer. Mit den täglichen Videocalls geht es in Ordnung, aber schwer bleibt es. Und das Risiko ist nicht weg: kein permanentes Visum, die Nomination nicht in unserer Hand, drei bis vier Monate finanzielle Reichweite, Lucy kann noch nicht voll arbeiten, ich muss visa-bedingt die ersten zwei Jahre als Koch arbeiten. Wenn es nicht klappt, fliegen wir zurück. Das war von Anfang an Teil des Plans, finanziell und mental, und daran hat sich nichts geändert. Es ist keine Empfehlung, sondern unsere bewusste Wette, mit dem Vorteil, dass wir die Region kannten.

Das ist unser Weg. Wir teilen ihn auf YouTube, Instagram und in diesem Blog, nicht um Reise-Inspiration zu produzieren, sondern damit Familien, die vor derselben Entscheidung stehen, echte Zahlen und echte Geschichten finden statt polierter Influencer-Versionen. Wenn dich das interessiert, lies mit. Wir schreiben weiter, jetzt von der anderen Seite der Welt.

Zum Einordnen

Unser Weg in Zahlen

35 Tage

lagen zwischen Abschied und Wiedersehen

4.500 AUD

hat unser Jeep Grand Cherokee gekostet

12.280 AUD

kosten die 186-Antragsgebühren für uns vier seit Juli 2026

2 + 1

Housesits und ein Airbnb haben unseren Start getragen

Faktenmatrix auf einen Blick

EckpunktWertQuelle / Einordnung
Familie4 Personen, Christian (37), Lucy (30), Joris (6), Linnea (2)selbst erlebt
Erste Australien-ZeitChristian ab Januar 2017, Lucy ab Februar 2017 – Ende 2018selbst erlebt
Restaurant Pachtvertrag1. Februar 2019 – 31. Dezember 2025selbst erlebt
Eigene Hochzeit im RestaurantOktober 2025 (Titelbild dieses Artikels)selbst erlebt
Entscheidung zur AuswanderungAnfang September 2025, Auslöser: Räumung des zweiten Feldsselbst erlebt
PTE Academic Englisch-Test11.03.2026, Berlitz Hamburg, 270 €, Score 89 (Proficient)selbst erlebt · Quelle: Pearson PTE
Skill Assessment als KochAbgeschlossen via Trades Recognition Australiaselbst erlebt · Quelle: TRA
Migration AgentJohannes Kunz, JK Migrateselbst erlebt, Empfehlung
Einreise-VisumeVisitor 651 für alle 4, ausgestellt 28.05.2026, kostenlos, 12 Monate, je Einreise 3 Monateselbst erlebt · Quelle: DHA eVisitor
Visum-Ziel + Stand186 (Employer Nomination Scheme), Nomination des Arbeitgebers in Arbeitselbst erlebt · Quelle: DHA Visa 186
186-Antragsgebühren (2 Erw. + 2 Kinder)rund 12.280 AUD seit 01.07.2026 (vorher rund 9.825 AUD)Quelle: DHA Visa Pricing, Stand 04.08.2026
Christian: Abflug / Landung23. Juni / 25. Juni 2026, 8:30 Uhr, Brisbaneselbst erlebt
Lucy + Kinder: Landung28. Juli 2026, ca. 8:00 Uhr, Brisbaneselbst erlebt
AutoJeep Grand Cherokee, 4.500 AUD (+ anstehende Reparaturen 1.000–1.500 AUD)selbst erlebt
Unterkunft bisherZimmer → Housesit (02.–19.07.) → Airbnb → Familien-Housesit (31.07.–28.08.)selbst erlebt
Joris, Schul-Start AUerster Schultag 3. Februar 2027 (NSW Term 1)Quelle: education.nsw.gov.au
Finanzielle Reichweite3 bis 4 Monate ohne Einkommeneigene Schätzung
Versand-Kisten10 kg ≈ 110 € · 20 kg ≈ 170 €selbst erlebt (Angebote Mai 2026)

Häufig gestellte Fragen

Warum seid ihr nach Australien ausgewandert?

Im Januar 2017 bin ich für meine Koch-Ausbildung nach Byron Bay geflogen, Lucy kam im Februar für ihr Auslandssemester nach. Aus einem Semester wurden zwei, insgesamt fast zwei Jahre Region, in denen wir uns zu Hause gefühlt haben. Der Wunsch zurückzukehren ist seit der Rückkehr Ende 2018 nie ganz weg gewesen, blieb aber lange ein Hirngespinst ohne ernsthafte Ambitionen. 2026 fielen Lucys Master-Abschluss, Joris' Schul-Eintritt und unsere Restaurant-Müdigkeit auf einen Punkt.

Was war der konkrete Auslöser für die Entscheidung?

Anfang September 2025 mussten wir unser zweites Gemüsefeld räumen. Wieder viel Arbeit, die nicht belohnt wurde, wieder ein Plan, der nicht aufgegangen ist. In diesem Moment sind die Zweifel am Restaurant und die alte Australien-Vorstellung zusammengeflossen: jetzt oder nie. Die Entscheidung, das Restaurant zu schließen, und die Entscheidung auszuwandern, fielen zusammen, nicht nacheinander.

Wann habt ihr das Restaurant die farm geschlossen?

Wir haben das Restaurant die farm in Essen vom 1. Februar 2019 bis zum 31. Dezember 2025 betrieben, knapp sieben Jahre. Im Oktober 2025 haben wir dort noch unsere eigene Hochzeit gefeiert, zwei Monate vor der Schließung. Unser Team war loyal und eingespielt, Personal-Knappheit war kein Schließungsfaktor. Die Auswanderung war.

Wie hast du als Koch einen Sponsor-Arbeitgeber in Australien gefunden?

Nicht online, sondern vor Ort. Der Tipp vom deutschen Stammtisch in Byron Bay: rumgehen, offen sein, mit Leuten sprechen, in der Gastro wird immer gesucht. Ich bin persönlich in Restaurants gegangen und habe mich vorgestellt. Gefunden haben wir uns mit Threeways of the Valley, einem Café-Restaurant im Regenwald-Hinterland von Byron Bay. Nach vielen gemeinsamen Abenden über Pläne und Visionen arbeitet das Team dort jetzt an seinem Teil meines 186-Antrags, der Nomination.

Warum ist Christian zuerst alleine geflogen?

Ich bin am 23. Juni 2026 vorgeflogen, Lucy und die Kinder sind am 28. Juli in Brisbane gelandet. In den fünf Wochen dazwischen habe ich Sponsor, Auto und Unterkunft geklärt: Job-Perspektive mit Sponsor-Zusage, ein Jeep für 4.500 AUD, zwei Housesits und ein Airbnb als Brücke. Als die drei ankamen, stand der Rahmen. Genau das war der Plan, und er hat funktioniert.

Was kostet eine Auswanderung als Familie nach Australien?

Wir haben bis Anfang Mai 2026 rund 6.900 € für die Vorbereitung in Deutschland ausgegeben, größter Posten waren die Familien-Flüge. Die 186-Antragsgebühren für vier Personen wurden zum 1. Juli 2026 auf rund 12.280 AUD erhöht (vorher rund 9.825 AUD). Für den Start in Australien hatten wir 30.000 AUD Reserve. Die kompletten Posten, bezahlt und geschätzt, stehen aufgeschlüsselt in unserem Kosten-Artikel: Auswandern nach Australien als Familie: Was es wirklich kostet.

Bereut ihr die Auswanderung?

Für diese Frage ist es nach einer Woche zu viert noch zu früh. Momentan haben wir ein sehr gutes Gefühl, es fühlt sich richtig an. Wir sind dabei ehrlich: Aktuell ist das noch nicht der Alltag, es fühlt sich eher wie Urlaub an. Die Entfernung zur Familie in Deutschland ist schwer, mit täglichen Videocalls geht es in Ordnung. Wenn es mit dem Visum nicht klappt, fliegen wir zurück, das war von Anfang an Teil des Plans.

Welches Visum nutzt ihr und wie ist der Stand?

Eingereist sind wir alle vier mit dem kostenlosen eVisitor (Subclass 651). Ziel ist das permanente Visum 186 (Employer Nomination Scheme). Das läuft zweistufig: Erst stellt der Arbeitgeber die Nomination, dann stelle ich meinen Visa-Antrag, mit Unterstützung von Johannes Kunz. Die Nomination ist gerade in Arbeit. Nach dem 186-Antrag bekommt die ganze Familie ein Bridging Visa; der eVisitor hat keine No-further-stay-Bedingung. Den ganzen Weg beschreiben wir hier: Visum 186 Australien.

Hinweis: Dieser Artikel beschreibt unsere persönliche Geschichte, zuletzt auf dem Stand vom 5. August 2026, eine Woche nach der Ankunft der ganzen Familie. Er ist kein Migrations-, Finanz- oder Lebensrat und ersetzt keine Beratung durch einen registrierten Migration Agent oder andere Fachleute. Visa-Gebühren, Wechselkurse, Arbeitsmarkt und Mietpreise ändern sich laufend, verbindliche Auskünfte gibt es nur direkt bei den jeweils zuständigen Behörden.

Zuletzt aktualisiert: 05.08.2026 · Update: Wir aktualisieren diesen Artikel quartalsweise, als Nächstes, wenn Visum, Wohnung und Schulstart konkret geworden sind.

Quellen:Department of Home Affairs – Visa 186,Department of Home Affairs – eVisitor 651,NSW Department of Education – Term Dates,Trades Recognition Australia (TRA),Pearson PTE Academic,Johannes Kunz – JK Migrate

Update-Log

05.08.2026Großes Update nach der Ankunft: neue Etappen (Abschied, Flug, fünf Wochen allein, Familien-Landung, Stand heute), Entscheidungs-Kapitel korrigiert (September 2025 statt Frühjahr 2024), 186-Gebühren auf Stand Juli 2026, neue Fotos und Videos aus Australien.
28.05.2026Englische Version verfügbar unter from-vegetable-garden-to-australia-family-move.
08.05.2026Artikel veröffentlicht.

Christian Schippel

Ausgebildeter Koch, 37, lebte 2017–2018 in Byron Bay. Ist im Sommer 2026 mit Lucy und zwei Kindern zurück nach Northern Rivers ausgewandert. Schreibt hier über Visa, Kosten und alles, was unterwegs passiert.Mehr über uns