Ich hatte mir das anders vorgestellt. Wir haben diese Auswanderung zu viert geplant, ein Jahr lang. Und dann stehe ich am Strand von Byron Bay und bin allein. Lucy macht in Deutschland ihren Master fertig, die Kinder sind bei ihr. Ich bin vorausgeflogen, weil ich hier den Job finden muss, an dem für uns alles hängt. Arbeiten darf ich mit meinem Touristenvisum noch gar nicht. Trotzdem entscheidet sich genau jetzt, ob wir langfristig hier bleiben können oder es nach drei Monaten bereits zurück nach Hause geht.
Das ist kein Reisebericht. Das sind die ersten Tage, so ehrlich, wie ich sie erlebt habe.
- Ankommen ist nicht nur Vorfreude. Rechne mit einer emotionalen Achterbahn, gerade wenn du allein vorausfliegst.
- Plane den Abschied von den Menschen, die zurückbleiben, bewusst ein. Er lässt sich nicht nachholen.
- Über die Skyscanner-Monatsübersicht spontan buchen kann hunderte Euro sparen (467 statt etwa 800 Euro).
- Bezahlen klappt problemlos mit deutscher Debitkarte über Apple Pay. Wise ist nicht zwingend ab Tag 1 nötig.
- Einkaufen bewusst planen: IGA ist teuer, Woolworths und Aldi deutlich günstiger.
- Housesitting nimmt am Anfang enorm viel finanziellen Druck raus.
Der Abschied, den ich unterschätzt habe
Wir haben uns am 23. Juni am Essener Hauptbahnhof verabschiedet, nicht am Flughafen. Bewusst so normal wie möglich, wegen der Kinder. Das hatte ich vorher mit Lucy abgesprochen. Fotos gemacht, lange umarmt, und dann bin ich los. Für die Kinder hat das gut funktioniert, wir sehen uns ja in ein paar Wochen wieder.
Was ich unterschätzt habe, war der Abschied von meinen Eltern und meiner Familie. Dafür hätte ich mir deutlich mehr Zeit nehmen sollen. Das Problem war, dass die letzten Wochen so voll mit Stress und Umzug waren, dass am Ende einfach zu wenig Zeit übrig blieb. Das bereue ich im Nachhinein schon ein bisschen. Wenn du selbst vor so einem Schritt stehst: plane den Abschied von den Menschen als festen Termin ein und nimm dir dafür so viel Zeit wie möglich. Er lässt sich nicht nachholen.
Der Flug: 467 Euro und ein Hotelbett in China
Der Flug selbst war der bisher beste von vier Australien-Flügen, die ich gemacht habe. Frankfurt nach Brisbane über China, mit Übernachtung in Guangzhou. China Southern bringt einen mit dem Shuttle ins eigene Flughafenhotel, ich habe knapp sieben Stunden geschlafen, geduscht, großes Bett, Klimaanlage. Der zweite Flug hatte etwa 47 Minuten Verspätung und dauerte rund achteinhalb Stunden, aber ausgeruht ist das gut zu machen.
Und der Preis: 467 Euro one way. An den Tagen drumherum lag derselbe Flug bei etwa 800 Euro, also fast doppelt so teuer. Gefunden habe ich das über die Skyscanner-Monatsübersicht: ein einzelner günstiger Tag, und dann spontan gebucht. Zum Vergleich, Lucy und die Kinder haben für ihre Flüge zusammen 3.061,80 Euro bezahlt. Mein Einzelflug war also deutlich günstiger, auch wenn man das auf die Personen runterrechnet. Wie wir die Flüge für die ganze Familie geplant haben, steht ausführlich in unserem Artikel zu den Flugkosten nach Australien.
Die Ankunft: schneller da, als gedacht
Gelandet bin ich am 25. Juni um 8:30 Uhr Ortszeit in Brisbane. Ungewöhnlich schnell durch Sicherheit und Immigration, normalerweise stehe ich da deutlich länger. Mit dem Shuttle zur Autovermietung, gegen 10 Uhr saß ich im Mietwagen, alle Koffer da. Und dann zwei Stunden mit dem Auto nach Byron Bay.
Der Ort hat sich verändert. Viel gebaut, vieles in der Entwicklung. Aber ich habe fast alles sofort wiedererkannt, es war sehr vertraut. Ich bin direkt zum Strand, langer Spaziergang, Surfer und Wellen angeschaut, bunte Vögel, ein Bush Turkey. Und schon auf dem ersten Spaziergang habe ich Delfine gesehen. Das hat sich sehr, sehr gut angefühlt.
Was ich in dem Moment noch nicht wusste: die schweren Tage kamen erst noch.
Die Fahrt, auf der ich fast durchgeweint habe
Ich bin kein besonders emotionaler Mensch, ich weine sonst so gut wie nie. Diese ersten Tage habe ich so noch nie erlebt.
Es fing schon auf der Fahrt von Brisbane nach Byron an. Ich habe fast die ganze Strecke geweint. Erst aus Traurigkeit, weil mir klar wurde, dass ich gerade allein am anderen Ende der Welt bin, ohne meine Kinder, ohne meine Frau, ohne meine Eltern und Freunde. Und dass es viele Dinge gibt, die wir erstmal für lange Zeit nicht mehr erleben werden, manche vielleicht nie wieder. Dann, auf Höhe Byron, kippte es. Auf einmal Tränen vor Freude, weil eine Last abfiel, weil das, worauf wir fast ein Jahr hingearbeitet haben, jetzt wahr wird. Eine komplette emotionale Achterbahn, wie ich sie noch nie erlebt habe.
Die ersten Tage waren nicht nur schön
Die ersten zwei, drei Tage waren ehrlich gesagt schwer. Mein Zimmer war okay, aber auch nicht mehr. Draußen Dauerregen. Und zum ersten Mal seit Monaten hatte ich Ruhe, um nachzudenken, statt im Dauerstress zu funktionieren. Diese Ruhe war nicht die erhoffte Pause.
Ich habe auf den Strandspaziergängen geheult wie noch nie im Leben. Mir wurde auf einmal greifbar, dass ich die engsten Menschen künftig nur noch alle paar Jahre sehe, nicht mehr wöchentlich oder monatlich. Natürlich weiß man das, bevor man fliegt, aber richtig bewusst wird es einem erst, wenn man ankommt und es Realität wird. Und ich habe etwas gemerkt, mit dem ich nicht gerechnet hatte: das Alleinsein ist nicht die kleine Verschnaufpause von der Familie, die man sich manchmal insgeheim wünscht. Allein schlafen, allein aufwachen, allein essen. Es hat mir vor allem gezeigt, wie sehr meine Familie mein Zuhause ist. Schön und traurig zugleich.
Und noch etwas ist mir wichtig. Unser Weg soll niemanden abschrecken. Wir haben uns bewusst dafür entschieden und gehen volles Risiko. Jede Familie geht ihren eigenen Weg und muss für sich entscheiden, was sie aufs Spiel setzen will. Unsere ersten Monate sind riskant. Trotzdem kann jeder etwas aus unserer Geschichte mitnehmen. Denn die Dinge, die beim Ankommen anfallen, sind immer die gleichen. Man muss sich neu orientieren, sich an einen neuen Alltag gewöhnen, neue Menschen kennenlernen. Von der einfachen Frage, wo kaufe ich was ein, bis zur großen, wo leben wir und können wir uns das Leben hier überhaupt leisten. Das ist bei jedem so.
Was in der ersten Woche wirklich anfällt
So viel zum Kopf. Parallel läuft der ganz normale Alltag weiter, und der will sofort organisiert werden. Das ist der praktische Teil, mit den echten Zahlen aus meiner ersten Woche.
Bezahlen
Ich zahle hier alles mit meiner Trade-Republic-Debitkarte über Apple Pay am Handy, völlig problemlos. Wise hatte ich als Tag-1-Lösung eingeplant und bisher gar nicht gebraucht, das wird für mich vielleicht später bei größeren Überweisungen relevant. Einmal habe ich am Bankschalter 500 AUD abgehoben, 7,50 AUD Gebühr, aber Bargeld brauche ich hier kaum.
Einkaufen
Mein erster Einkauf hat mir einen kleinen Schock verpasst. Beim IGA habe ich 64 AUD gezahlt, für Eier, Milch, Toast, Joghurt, Cottage Cheese und Kaffee. Also die Basics. Woolworths und Aldi sind deutlich günstiger, der Unterschied ist immens. Mit Wochenplanung und den teils aggressiven 2-für-1-Angeboten komme ich am Ende auf ungefähr das, was wir auch zu Hause bezahlt hätten. Die Lektion: Einkaufen muss man hier bewusst planen, sonst wird es teuer. Was das Leben in Australien insgesamt kostet, sammeln wir laufend in unserem Kosten-Überblick fürs Auswandern nach Australien.
Unterkunft
Für die ersten Nächte habe ich ein Zimmer über Facebook in Byron Bay, 300 AUD die Woche, sehr basic, ich wohne mit einem Australier zusammen. Für den Start allein okay. Danach geht es ins erste Housesitting, ein wunderschönes Haus im Hinterland mit zwei Hunden. Das nimmt finanziell enorm viel Druck raus. Zur Wohnungssuche und zum Housesitting selbst schreibe ich noch einen eigenen Artikel, denn das ist hier ein Thema für sich.
Auto
Der Mietwagen muss bald zurück, verlängern will ich nicht, das ist auf Dauer zu teuer. Also parallel Gebrauchtwagen anschauen, ein paar gute Kandidaten sind dabei. Zusätzlicher Antrieb: mein Surfboard passt nicht in den kleinen Mietwagen, und ich will endlich ins Wasser.
SIM und Handynummer
Das ist die einzige Sache, die bis heute nicht rund läuft. Die australische Prepaid-Aktivierung hakt bei mir seit Tagen, ich überbrücke mit einer eSIM. Weil das eine eigene kleine Odyssee ist, kommt dazu ein separater Artikel.
Und dann kippt es doch
Der Wendepunkt kam mit der ersten Fahrt ins Hinterland. Das war einer der Hauptgründe, warum wir ausgerechnet diese Region wollten. Ich saß im Auto und habe vor Freude laut geschrien, so etwas hatte ich vorher auch noch nie. Diesen Satz habe ich jetzt schon öfter gesagt, aber es ist einfach so. Sehr viele emotionale Zustände, die ich so einfach nicht kannte. Vielleicht passiert genau das, wenn man sich loslöst und seine Gewohnheiten, seinen Alltag, seine Routinen ablegen muss. Danach kam die Vorfreude Stück für Stück zurück. Auf Lucy und die Kinder. Und darauf, das alles hier gemeinsam zu erleben, statt allein.
Deshalb habe ich in den ersten Tagen auch bewusst wenig gearbeitet, geschrieben oder gefilmt. Ich musste erstmal mit mir selbst klarkommen. Das war, glaube ich, genau richtig.
Was jetzt auf dem Spiel steht
Die eigentliche Arbeit fängt jetzt an. Ich starte die Job- und Sponsorensuche bewusst erst in Woche zwei oder drei, erst ankommen, orientieren, Auto klären. Erste Gespräche mit möglichen Sponsoren stehen an. Mein Visum kommuniziere ich dabei offen: mit dem eVisitor 651 darf ich noch etwa zweieinhalb bis drei Monate nicht arbeiten. Gerade ist hier Winter, die Läden planen für den Sommer, der Vorlauf sollte also passen.
Der größte Bauchschmerz-Punkt bleibt die Kombination aus beidem: die Familienwohnung ab Ende August ist an einen Job gekoppelt, und der Wohnungsmarkt hier ist eng. Deshalb ist der Job-Start so wichtig.
Und das Wichtigste: in ein paar Wochen fliegen Lucy und die Kinder los. Dann sind wir wieder zu viert. Bis dahin telefonieren wir jeden Tag, die Kinder rufen morgens beim Aufwachen an. Sie kommen übrigens besser klar als wir. Joris kreuzt zu Hause die Tage bis zum Abflug auf einer Tafel ab.
Wie es weitergeht, das Auto, die Wohnungssuche, der Job, das erzähle ich in den nächsten Beiträgen. Wenn du den Weg mitverfolgen willst, schau wieder vorbei. Wie diese ganze Entscheidung überhaupt gefallen ist, haben wir übrigens in unserer Geschichte zur Entscheidung auszuwandern aufgeschrieben.
Häufige Fragen
Wann bin ich in Australien angekommen?
Am 25. Juni 2026, gelandet um 8:30 Uhr Ortszeit in Brisbane, danach mit dem Mietwagen zwei Stunden nach Byron Bay.
Warum bin ich allein vorausgeflogen?
Um vor Ort den Job zu finden, an dem der Umzug hängt. Lucy macht in Deutschland ihren Master fertig, die Familie kommt ein paar Wochen später nach.
Was hat der Flug nach Australien gekostet?
467 Euro one way von Frankfurt nach Brisbane über China, gebucht über die Skyscanner-Monatsübersicht. An den Tagen drumherum lag derselbe Flug bei etwa 800 Euro.
Wie bezahlt man in den ersten Tagen in Australien?
Bei mir problemlos mit der Trade-Republic-Debitkarte über Apple Pay. Einmal habe ich 500 AUD bar abgehoben (7,50 AUD Gebühr), Bargeld war aber kaum nötig.
Wie teuer ist der erste Einkauf in Australien?
Mein erster Einkauf mit Basics beim IGA kostete 64 AUD. Woolworths und Aldi sind deutlich günstiger. Mit Wochenplanung landet man ungefähr auf deutschem Niveau.
Wo wohnt man direkt nach der Ankunft?
Für die ersten Nächte hatte ich ein einfaches Zimmer über Facebook in Byron Bay für 300 AUD die Woche. Danach ging es ins Housesitting im Hinterland, das finanziell viel Druck rausnimmt.
Stand: Juli 2026. Ich bin seit dem 25. Juni allein vor Ort, Lucy und die Kinder folgen ein paar Wochen später. Wie es weitergeht, erzählen wir hier Schritt für Schritt.
Zuletzt aktualisiert: 04.07.2026