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Englisch vor der Schule, nicht für die Schule Eine Lern-App, obwohl wir eigentlich gegen iPad sind Wie Joris mit StudyCat lernt Linnea (2): Warum wir bei ihr bewusst nichts „machen" Australisches Englisch: Der Slang, den keine App lehrt Was uns wirklich Sorgen macht Was wir realistisch erwarten Häufige Fragen

Wir wandern im Sommer 2026 nach Australien aus, mit zwei Kindern. Joris ist sechs, Linnea zwei. In Australien läuft fast alles auf Englisch: die Schule, der Spielplatz, der Einkauf an der Kasse. Dieser Beitrag beschreibt, wie wir Joris sprachlich auf diesen Wechsel vorbereiten. Welche App wir nutzen, was im Alltag funktioniert, warum wir bei Linnea bewusst nichts tun und was uns dabei wirklich Sorgen macht. Keine Anleitung, sondern unsere echte Erfahrung. Für Familien, die Ähnliches vorhaben.

Wenn du am Anfang eurer Planung stehst, lies vorher unseren Überblick dazu, wie wir die Kinder insgesamt auf die Auswanderung vorbereiten. Dieser Artikel hier geht nur auf einen Teil davon tief ein: die Sprache.

Das Wichtigste in Kürze

Englisch vor der Schule, nicht für die Schule

Wir bereiten Joris nicht auf den Englischunterricht vor. Wir bereiten ihn auf den Alltag vor.

Das ist ein Unterschied. Joris kommt in Australien erst im Januar 2027 in die Schule, weil das australische Schuljahr im Januar beginnt. Bis dahin sind wir schon ein gutes halbes Jahr im Land. In dieser Zeit wollen wir oft Freunde treffen, und mit denen sprechen wir ohnehin nur Englisch. Joris hat also viel Zeit, in die Sprache reinzukommen, lange bevor es im Klassenzimmer ernst wird.

In vielen Erfahrungsberichten anderer Familien lesen wir immer wieder dasselbe: Kinder lernen die Sprache erstaunlich schnell, sobald ihre Umgebung sie spricht. Manche schreiben, ihre Kinder hätten nach etwa drei Monaten angefangen mitzusprechen. Ob das bei Joris genauso läuft, wissen wir nicht. Aber es nimmt uns den Druck, ihm vorher perfektes Englisch beibringen zu müssen.

Unser Ziel ist deshalb klein: ein Grundvokabular zum Einstieg. Ein paar Wörter und Sätze, mit denen er sich am Anfang nicht völlig verloren fühlt. Den Rest macht die Umgebung.

Eine Lern-App, obwohl wir eigentlich gegen iPad sind

Hier muss ich ehrlich sein. Eine Lern-App auf dem iPad passt eigentlich nicht zu uns.

Bei uns darf Joris sonst nicht ans Tablet. Er guckt maximal einen kurzen Film pro Woche, etwa zehn Minuten, an einem festen Tag. Mehr Bildschirmzeit gibt es nicht. Das ist eine bewusste Entscheidung, und eine App ins Spiel zu bringen war ein echter Eingriff in unseren Erziehungsansatz.

Wir haben es uns nicht leicht gemacht. Es gibt eine sieben Tage lange kostenlose Testphase, die haben wir genutzt. Danach haben wir entschieden: Ja, das ergibt Sinn. Die App heißt StudyCat, sie ist für Kinder gemacht, und Joris hat von Anfang an Spaß damit. Wichtiger noch: Er lernt wirklich. Die Wörter bleiben hängen.

Das Abo kostet 17,99 Euro im Monat. Nicht ganz billig. Für uns ist der Mehrwert das aber wert. Es ist im Moment unser wichtigstes Werkzeug für die Vorbereitung, und es ist ein Werkzeug, das funktioniert. Wir verdienen an dieser Nennung übrigens nichts. Wir schreiben StudyCat hier hin, weil wir es nutzen, nicht weil jemand dafür zahlt.

Wie Joris mit StudyCat lernt, und was im Alltag dazukommt

Joris nutzt die App seit dem 23. März 2026. Nicht täglich. Das war von Anfang an klar.

Er ist ungefähr zweimal pro Woche dran, jeweils etwa eine Stunde. Danach merkt man ihm die Anstrengung an. Er selbst würde wahrscheinlich länger machen, aber wir setzen die Grenze bewusst. Sprachenlernen soll für ihn nicht zur Belastung werden, sondern etwas bleiben, auf das er Lust hat.

Spannend ist, wie die App mit ihm mitwächst. Am Anfang ging es vor allem ums Nachsprechen und um einfache Spiele. Inzwischen ist er an einem Punkt, wo teilweise ein Bild erscheint und er das passende Wort selbst ins Mikrofon sprechen muss. Ehrlich gesagt finde ich das schon ziemlich anspruchsvoll. Er macht es trotzdem.

Auf der App allein lassen wir es aber nicht beruhen. Wir bauen darauf auf. Manchmal sprechen wir ihn mit einfachen englischen Sätzen an, „how old are you" zum Beispiel. Er versteht den Satz oft und antwortet mit einem einzelnen Wort. Das reicht völlig. Es geht ums Verstehen, nicht um perfekte Sätze.

Den schönsten Moment hatten wir im Auto. Im Radio lief ein englisches Lied, ehrlich gesagt nicht meine Musik, ich glaube es war „Swim" von BTS. Joris fragte aus dem Nichts: „Warum wollen die schwimmen?" Er hatte aus dem englischen Text einfach so herausgehört, worum es geht. Solche Momente zeigen uns, dass etwas hängenbleibt. Und mehr erwarten wir im Moment auch gar nicht.

Linnea (2): Warum wir bei ihr bewusst nichts „machen"

Bei Linnea machen wir nichts aktiv. Mit zwei Jahren muss man das auch nicht.

Das Witzige ist: Sie lernt trotzdem schon mit. Manchmal setzt sie sich neben Joris, wenn er die App benutzt, und plappert einfach nach. Manchmal zeigt sie auf etwas und fragt „was heißt das". Das ist ihre Art zu sagen: Sagt mir den englischen Namen dafür.

Das Interesse kommt von ganz allein. Wir müssen es nicht wecken. Linnea wird Englisch so lernen, wie kleine Kinder Sprache am besten lernen: nebenbei, im Alltag, mit der ganzen Familie zusammen, während sie größer wird. Bei ihr machen wir uns von allen am wenigsten Gedanken.

Australisches Englisch: Der Slang, den keine App lehrt

Eine Sache lernt keine App: australisches Englisch.

Wir kennen das schon ein bisschen. Lucy und ich haben beide in Australien gelebt, bevor wir nach Deutschland zurückgekommen sind. Australier kürzen gern ab, und zwar bei wirklich vielen Dingen. Aus afternoon wird „arvo", aus breakfast wird „brekky", das Barbecue ist die „barbie". Lucys Name klingt schon kurz und australisch, trotzdem haben ihre Kollegen damals noch ein „Luc" daraus gemacht, gesprochen wie „Lus".

Sätze wie „how ya doin mate" stehen in keinem Schulbuch. Aber wir glauben nicht, dass man so etwas vorab pauken muss. Das kommt von selbst, sobald man da ist. Wir konzentrieren uns auf die Basis. Den Rest nimmt Joris vor Ort von allein auf, vermutlich schneller als wir.

Was uns wirklich Sorgen macht, und es ist nicht das Englisch

Das Sprachenlernen an sich macht uns keine Sorgen. Joris kommt voran, Linnea wächst da rein, das wird schon.

Was uns mehr beschäftigt, sind zwei andere Dinge.

Das erste betrifft Joris' Charakter. Er ist bei neuen Situationen und neuen Menschen eher zurückhaltend. Das ist okay, das ist einfach er. Aber neue Menschen und eine neue Sprache gleichzeitig, das ist viel auf einmal. Diese Kombination beschäftigt uns. Auf der anderen Seite sehen wir genau darin auch eine Chance. Es kann ein großer Entwicklungsschritt für ihn werden, wenn er merkt: Ich schaffe das.

Das zweite ist leiser. Es geht weniger um die Kinder als um uns als Familie. Zu Hause, wenn wir zu viert sind, werden wir weiter Deutsch sprechen. Aber der ganze restliche Alltag läuft auf Englisch. Einkaufen, Arbeit, Behörden, alles. Wir fragen uns, ob man die eigene Sprache um sich herum irgendwann vermisst. Ob es Heimweh auslösen kann, wenn man im Alltag nicht mehr in seiner Muttersprache kommuniziert. Es ist nur eine kleine Sorge. Aber sie ist da, und wir wollen sie nicht wegreden.

Was wir realistisch erwarten

Joris wird kein fließendes Englisch sprechen, wenn wir in Australien ankommen. Das ist uns völlig klar, und es ist auch nicht das Ziel.

Was wir realistisch erwarten: Er kommt mit einem kleinen Grundwortschatz an. Er versteht einfache Sätze, kann mit einzelnen Wörtern antworten und hat ein Gefühl für den Klang der Sprache. Das nimmt ihm die erste Hürde. Den großen Rest macht das Leben vor Ort: die Freunde, der Spielplatz, später die Schule.

Wir glauben, dass Vorbereitung hier nicht heißt, das Kind fertig zu machen, bevor es losgeht. Vorbereitung heißt, ihm einen weichen Einstieg zu verschaffen und ihm das Gefühl zu geben, dass er nicht bei null anfängt. Mehr braucht es nicht. Den Rest kann er selbst, wahrscheinlich besser, als wir denken.

Warum wir diesen ganzen Schritt überhaupt gehen, haben wir an anderer Stelle aufgeschrieben: in unserer Geschichte vom Gemüsegarten nach Australien.

Häufige Fragen

Wie bereitet man ein Kind sprachlich auf das Auswandern nach Australien vor?

Wir setzen auf einen kleinen Grundwortschatz statt auf perfektes Englisch. Konkret nutzen wir die Kinder-Lern-App StudyCat, etwa zweimal pro Woche, und bauen im Alltag einfache englische Sätze ein. Ziel ist ein weicher Einstieg, nicht fließendes Englisch vor der Abreise.

Welche App nutzen wir, um unserem Kind Englisch beizubringen?

Wir nutzen StudyCat, eine Sprachlern-App für Kinder. Das Abo kostet 17,99 Euro im Monat, und es gibt eine siebentägige kostenlose Testphase, die wir vor der Entscheidung genutzt haben. Unser sechsjähriger Sohn lernt damit über Mini-Spiele und Sprachübungen.

Wie lange dauert es, bis Kinder nach dem Auswandern Englisch sprechen?

Aus eigener Erfahrung können wir das noch nicht sagen, wir sind selbst noch in der Vorbereitung. In vielen Erfahrungsberichten anderer Familien lesen wir aber immer wieder, dass Kinder in englischsprachiger Umgebung sehr schnell lernen und oft nach etwa drei Monaten anfangen mitzusprechen.

Muss ein Kind vor dem Schulstart in Australien Englisch können?

Wir sehen das entspannt. Joris kommt erst im Januar 2027 in die Schule, weil das australische Schuljahr im Januar beginnt. Bis dahin sind wir schon ein gutes halbes Jahr im Land. Diese Zeit vor der Schule gibt ihm Gelegenheit, die Sprache im Alltag aufzunehmen.

Sollte man Kindern vorher australischen Slang beibringen?

Aus unserer Sicht nicht. Typische australische Abkürzungen wie „arvo" für afternoon oder „brekky" für breakfast und Ausdrücke wie „how ya doin mate" stehen in keinem Schulbuch und müssen auch nicht vorab geübt werden. Das nehmen Kinder vor Ort von allein auf.

Stand: Mai 2026. Wir sind noch in Deutschland. Christian fliegt am 23. Juni vor, Lucy folgt mit den Kindern am 26. Juli. Wie es mit dem Englisch nach der Ankunft weitergeht, berichten wir später.

Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt unsere persönliche Erfahrung mit der sprachlichen Vorbereitung unserer Kinder. Er ist kein pädagogischer Ratgeber. Jede Familie ist anders, jedes Kind lernt anders. Was bei uns funktioniert, muss bei euch nicht passen.

Zuletzt aktualisiert: 01.06.2026
Update-Log
01.06.2026 Englische Version verfügbar unter preparing-kids-for-english-australia.
28.05.2026 Artikel veröffentlicht.
Christian Schippel
Ausgebildeter Koch, 37, lebte 2016–2018 in Byron Bay. Wandert im Sommer 2026 mit Lucy und zwei Kindern zurück nach Northern Rivers. Schreibt hier über Visa, Kosten und alles, was unterwegs passiert. Mehr über uns